Agroforst konkret: Futterhecken zur Produktion von Laubfutter

Agroforstsysteme eröffnen spannende Möglichkeiten zur Futterergänzung von raufutterverzehrenden Tieren. Traditionell wurde Gross- und Kleinvieh über den Winter oftmals mit Laubheu gefüttert. Dabei schnitt man Zweige ab von Laubbäumen (sogenanntes Schneiteln) und liess diese Zweige trocknen.

Soil carbon sequestration on livestock farms

Increasing carbon content in agricultural soil has a large potential to provide negative emissions against the climate crisis. However, the uncertainty is much larger than from direct emission reductions like replacing coal fired by solar power. There are different ways how this uncertainty needs to be taken into account when the removal of CO₂ is certified. Pragmatic estimates by soil modelling as well as clever soil organic carbon measurements will be useful. A very important lever for assuring the significance of soil carbon sinks is to reduce the original emissions from the current farm by reducing livestock intensity. Hence at least 10% of the credits from soil carbon certificates need to be invested into compensation for reduced animal numbers on the farm. With this basic rule applied in Klimabuur projects, the credibility of soil carbon sinks is backed up with a very significant and fundamental improvement of the agricultural system. Besides reducing greenhouse gas emissions from livestock, animal welfare and biodiversity is increased while nutrient losses to air and water is decreased. It will in the end provide space for increasing tree numbers and sequestring even more carbon by agroforestry.

«A great deal for climate smart soils and me» (picture under creative commons licence by Paul Ansell)

Stilllegung von reinen Schweinemast-Betrieben als hoch wirksamer Beitrag zum Klimaschutz

Eigentlich möchten wir bei Klimabuur primär Agroforstsysteme fördern, welche das Klima auf vielfältige Weise schützen. Langfristig sind Bäume jedenfalls ein sehr wichtiger Beitrag für eine klimafreundliche Landwirtschaft. Kurzfristig könnte es auch interessant sein, besonders klimaschädliche Betriebssysteme stillzulegen. Im folgenden präsentieren wir eine grobe Abschätzung für einen reinen Schweinemastbetrieb in der Nordostschweiz dessen Besitzer noch weitere 10 Jahre mästen und emittieren würde.

Modellierte Ammoniak Konzentrationen in der Nordostschweiz; violett bedeutet > 6 µg/m³. Für höhere Pflanzen liegt die kritische Jahresmittelkonzentration zwischen 2 und 4 µg/m³ (hellgrün – gelb).

Der Beispielbetrieb wird als Nebenerwerb geführt und kann für Schweizer Verhältnisse als mittelgross bezeichnet werden. Schätzungsweise wirft die Schweinemast nach Abzug aller direkten Kosten ca. 3000 CHF pro Monat ab. Das sind also 36’000 CHF pro Jahr und 360’000 CHF über die verbleibenden 10 Jahre bis zur Pensionierung. Nehmen wir an, der Zinssatz ist mehr oder weniger bei 0%, so müsste dieser Betrag eine grosszügige Kompensation für eine heutige Stilllegung sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Investitionen in den Stall in den 10 Jahren ebenfalls abgezahlt ist. Schauen wir nun, welche externen Kosten mit der Stilllegung eingespart würden:

  • Treibhausgasemissionen des produzierten Schweinefleischs: ~ 432’000 CHF (siehe Berechnung «True price of meat»: 5.4 kg CO₂ pro kg Schweinefleisch * 500 Schweine pro Jahr * 10 Jahre * 100 kg Fleisch pro Schwein * 160 CHF/t-CO₂)
  • Gesundheitskosten für den Menschen durch den Konsum des produzierten Schweinefleischs: ~ 250’000 CHF (eine wilde Abschätzungen aus Zahlen von Loewen et al. 2019 )
  • Gesundheits- und Umweltschäden durch die gasförmigen Ammoniak Emissionen: ~ 150’000 CHF (siehe Stickstoffhaltige Luftschadstoffe in der Schweiz)
  • Schäden am Boden durch Gülle der Mastschweine: ~ 75’000 CHF
  • Negative Auswirkung auf Biodiversität (Futterproduktion, Eutrophierung): > 220’000 CHF («True price of meat»: > 0.44 €/kg Fleisch …)
  • Tierleid (kaum Tageslicht, keine Spielmöglichkeiten, harter Untergrund, Schlachtung etc.): ~ 450’000 CHF (eine ganz zynische Schätzung in der ich einfach mal annehme, dass das Leid höher ist als der Ertrag des Bauern)
  • Staatliche Subventionen: ~ 110’000 CHF (der Betrieb erhält zwar keine landwirtschaftlichen Direktzahlungen, jedoch wird der Futterbau mit öffentlichem Geld unterstützt)

= Total externe Kosten der Schweinemast ca. 1.5 Mio CHF

Natürlich ist das eine «extrem» grobe Abschätzung. Gerne präzisiere ich die einzelnen Kostenstellen sobald bessere Daten zur Verfügung stehen. Klar ist jedoch, dass negative Externalitäten ein mehrfaches des Ertrags des Schweinehalters kosten. Über die ganze Gesellschaft gesehen, wäre es ein grosser Gewinn, diese Schweinehaltung stillzulegen und den Halter zu entschädigen. Die Frage ist, wie dieser Betrag zusammen kommen könnte. Die Kostenaufstellung oben gibt einen Einblick in die verschiedenen Interessengruppen, welche eine gewisse Bereitschaft haben könnten, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Würde der Staat heute für die Allgemeinheit anfallenden Kosten aus der Schweinemast aufkommen, könnte er bei den aktuellen Negativzinsen sogar Geld damit verdienen. Die Rolle von Klimabuur könnte sein, mit allen involvierten Stakeholder zu verhandeln und den Deal schlussendlich zum Wohle der Gesellschaft abzuwickeln (mit einer kleinen Kommission, versteht sich ;-)). Vielleicht könnte sogar ein Teil der Stillegungskosten als Prämie auf verkauftes konventionelles Schweinefleisch geschlagen werden. Damit würde sich die Branche von selber auf ein gesundes Mass regulieren.

Bei den Ammoniakemissionen würden vielleicht auch die Nachbarn für einen Teil der Kosten aufkommen. Generell wenden wir hier das «Geschädigtenprinzip» an. Im Gegensatz zum Verursacherprinzip heisst das wer durch eine bestimmte wirtschaftliche Tätigkeit geschädigt wird, bezahlt dem Profiteur den Ausfall bei dessen Einstellung. Das klingt zwar unfair, führt jedoch in der Umweltökonomie zum gleichen gewünschten Effekt, nämlich dass der Schaden behoben wird. Dadurch wird dem Geschädigten mehr geholfen als wenn gar nichts gemacht wird, wie aktuell in der Schweizer Landwirtschaftspolitik. Mit der Initiative gegen Massentierhaltung wird dieses Thema bald an Interesse gewinnen. Nur schon die Diskussion über die Initiative erhöht den Druck auf solche Betriebe. Würde die Initiative angenommen, könnte die Zahlungsbereitschaft für die Stilllegungsprämie automatisch sinken. Es lohnt sich im richtigen Moment diese Option zu verhandeln und den Ausstieg zu planen bevor das Gesetz oder sogar die Konsumenten diesen unhaltbaren Mastbetrieben den Riegel schieben.

Klimabuur geht online! Die Landwirtschaft braucht eine Fitnesskuur vom Klimabuur… mit deutlich mehr Bäumen und Sträucher in der Landschaft.